Schielen (Strabismus)

Strabismus – auch Heterotropie oder gekreuzte Augen genannt – ist die medizinische Bezeichnung für eine Augenfehlstellung. Ihre Augenbewegungen sind aufgrund ganz bestimmter Muskeln möglich. Wenn Sie an Strabismus leider, können Sie diese Bewegungen aber nur noch schwer oder gar nicht kontrollieren. Beide Augen können somit nicht mehr gleichzeitig in derselben Position gehalten werden. In der Umgangssprache bezeichnet man dies als Schielen.

Ein Schielen der Augen kann selbst bei Neugeborenen vorübergehend auftreten. Erst wenn es während der Kindheit auftritt, ist eine medizinische Behandlung notwendig. Unkorrigierter Strabismus führt dazu, dass Ihr Kind in Zukunft unter Amblyopie (funktionelle Sehschwäche) leidet.

Es gibt verschiedene Methoden mit denen Strabismus behandelt werden kann. Dies ist in erster Linie Situationsabhängig. Ihr Arzt wird mit Ihnen alle verschiedenen Behandlungsmethoden ausführlich besprechen und Sie bei der Entscheidung unterstützen. Abgesehen vom ästhetischen Aspekt, ist es in erster Linie das allerwichtigste, dass Sie Ihre Umgebung unbeschwert wahrnehmen können.

Gründe Für Strabismus

Sechs Muskeln sind mit Ihren Augen verbunden. Sie kontrollieren die Bewegungen Ihrer Augen. Wenn diese Muskeln nicht mehr miteinander zusammenarbeiten, drehen sich Ihre Augen in verschiedene Richtungen. Daher sendet jedes Ihrer Augen zwei verschiedene Bilder und verwirrt Ihr Gehirn. Das Gehirn von Kindern kann lernen, verzerrte Visionen zu ignorieren.

Ein Schielen kann durchgehend auftreten oder aber auch nur während man krank oder müde sind. Die überwiegende Mehrheit der Strabismus-Fälle wird durch eine neuromuskuläre Anomalie verursacht. Bezüglich der Kontrollzentren im Gehirn entwickelt sich die Medizin immer weiter. In selteneren Fällen handelt es sich hierbei um einen Defekt im Augenmuskel selbst.

Strabismus ist eine Erbkrankheit. Forscher haben herausgefunden, dass 30% der Kinder mit dieser Krankheit ein weiteres Familienmitglied haben, welches ebenfalls unter Strabismus leidet. Andere Erkrankungen im Zusammenhang mit Strabismus bei Kindern sind das Apert-Syndrom, Zerebralparese, Röteln, Hämangiom, Retinoblastom, traumatische Hirnverletzung und vorzeitige Retinopathie.

Bei Erwachsenen können durch folgende Krankheiten Strabismus entstehen:

  • Botulismus
  • Diabetes
  • Gliom
  • Morbus Basedow
  • Guillain-Barre-Syndrom
  • Augenverletzungen
  • Vergiftung durch Meeresfrüchte
  • Lähmung
  • Hirnverletzungen
  • Verlust des Sehvermögens durch Verletzung oder Krankheit

Arten Von Strabismus

Es gibt viele Arten von Strabismus. Wir möchten Ihnen die beiden häufigsten etwas näher erläutern:

Akkommodierende Esotropie: Sie tritt häufig bei Patienten mit unkorrigierter Hyperopie auf, bei denen in der Familienanamnese eine Prädisposition für Strabismus vorliegt. Da Ihr Auge nicht aus der Nähe sehen kann, müssen Sie zusätzliche Anstrengungen unternehmen, um sich auf Objekte zu konzentrieren. Diese zusätzlichen Anstrengungen können dazu führen, dass Ihre Augen nach innen rollen. Sie führen außerdem dazu, dass Sie doppelt sehen. Evtl. ein Auge schließen und den Kopf drehen müssen, um etwas aus der Nähe betrachten zu können. Diese Art von Strabismus beginnt in einem frühen Alter und wird für gewöhnlich mit einer Brille behandelt. Abhängig vom Zustand des Patienten kann jedoch auch eine Augenklappe oder eine Operation erforderlich sein.

Intermittierende Exotropie: Bei dieser Art von Strabismus ist ein Auge auf einen bestimmten Punkt fixiert, während sich das andere nach außen dreht. Sie können Symptome wie Doppelsehen, Kopfschmerzen, Schwierigkeiten beim Lesen, Überanstrengung der Augen, Schließen eines Auges beim Betrachten entfernter Objekte oder bei hellem Licht feststellen. Darüber hinaus treten möglicherweise auch überhaupt gar keine Symptome auf und es wird von Ihren Mitmenschen bemerkt. Diese Art von Strabismus kann in jedem Alter auftreten.

Symptome Und Diagnose

Im Normalfall können Babys sich innerhalb von 3-4 Monaten auf kleine Objekte konzentrieren. Die Augen von Babys können sich innerhalb von 6 Monaten auch sowohl auf nahe als auch auf ferne Objekte konzentrieren. In den meisten Fällen tritt Strabismus bei Säuglingen und Kleinkindern auf. Strabismus kann sich jedoch auch bei älteren Kindern und Erwachsenen definitiv bemerkbar machen. In solchen Fällen besteht die Möglichkeit, dass das Schielen auf eine neurologische Störung zurückzuführen ist. In diesem Fall sollte der Patient sofort seinen Arzt kontaktieren.

Jedes Baby, das älter als 4 Monate ist und Anzeichen von Strabismus zeigt, sollte sich einer vollständigen Augenuntersuchung unterziehen. Der Augenarzt muss sich zusätzliche Zeit dafür nehmen, die Bewegung und den Fokus der Augen richtig zu erkennen.

Folgendes wird untersucht:

  • Patientenanamnese: Ihr Arzt bewertet erbliche Faktoren, allgemeine Gesundheitsprobleme und die vom Patienten verwendeten Medikamente.
  • Sehschärfe: Lesen von Kleingedrucktem und Überprüfung des Augenverhaltens bei Kleinkindern.
  • Refraktion: Messung der Brechkraft der Augenlinse.
  • Sehtest (Fokustest).
  • Überprüfung der inneren Struktur der Augen durch Erweiterung der Pupille.

Was Können Sie Erwarten?

Bei Strabismus gibt es verschiedene Behandlungsmethoden:

  • Augenmuskelchirurgie: Ihr Augenarzt ändert die Länge und Position Ihrer Augenmuskeln. Auf diese Weise werden sich Ihre Augen dementsprechend ausrichten. In einigen Fällen kann Ihr Arzt auch eine nur vorrübergehende Einstellung der Augenmuskeln ausüben. So kann man nach einem operativen Eingriff die Position der Augenmuskeln erneut verändern.
  • Gläser oder Kontaktlinsen: Geeignet für Patienten mit refraktiven Störungen. Dank der Korrekturlinsen ist es Ihren Augen möglich, sich richtig zu fokussieren und somit in einer Linie zu bleiben.
  • Prizm-Linsen: Diese speziellen Linsen biegen das Licht, welches in Ihr Auge eindringt und reduzieren somit die Bewegung Ihres Auges. Objekte können besser betrachtet werden.
  • Orthoptics (Augenübungen): Wirksam für einige Arten von Strabismus. Es ist besonders geeignet für Niereninsuffizienz, die gleichzeitig eine Art von Exotropie darstellt.
  • Medikamente: Ihr Arzt wird Ihnen Augentropfen oder Salben Verschreiben. Darüber hinaus kann die Injektion von Botulinumtoxin Typ A bei Überlastung der Augenmuskeln von Vorteil sein.
  • Patchen: Es wird verwendet, wenn Strabismus von Amblyopie (funktionelle Sehschwäche) begleitet wird. Für Kinder sind diese leider eher etwas unangenehm.

Welche Risiken Gibt Es?

In der Strabismus-Chirurgie sind Anästhesieprobleme, Infektionen und möglicher Verlust des Sehvermögens sehr selten. Patient, Arzt, Krankenschwestern und auch Familienmitglieder können diese Risiken durch eine gemeinsame Zusammenarbeit stark einschränken. Zum Beispiel auch durch Verwendung von Antibiotika zur Vorbeugung von Infektionen, die perfekte Einhaltung der präoperativen Anweisungen, strenge Operationssaalverfahren und die sofortige Information des Arztes über jegliche Komplikation.

Unser visuelles System ist sehr komplex aufgebaut und mit unserem Gehirn weitläufig verbunden. Dementsprechend besteht die Gefahr, dass die Symptome von Strabismus nicht vollständig korrigiert werden können. Möglicherweise kann eine zusätzliche Operation notwendig sein.

Vor Dem Eingriff

Vergessen Sie nicht, Ihre vergangenen oder noch anhaltenden Gesundheitsprobleme vor der Operation ausführlich mit Ihrem Chirurgen zu besprechen. Wenn Sie Allergien, Blutungstendenzen und erblich bedingte negative Reaktionen auf Anästhesie haben, sollten Sie diese bitte ebenfalls unbedingt mit Ihrem Arzt teilen. Bei noch anhaltenden anderer gesundheitlicher Probleme, ist es oft von Vorteil, die Operation evtl. zu verschieben.

Sie sollten in den letzten Stunden vor dem Eingriff keine Nahrung mehr zu sich nehmen. Es ist wichtig, die Operation mit einem nüchternen Magen durchführen zu lassen, da während einer Narkose die Gefahr von Erbrechen besteht. Ihr Chirurg wird Ihnen mitteilen, wann Sie mit dem Verzehr von Lebensmitteln aufhören sollten. Wenn Sie früh morgens operiert werden, ist ein Verzehrstopp bereits ab Mitternacht von Vorteil.

Während Der Operation

Die vom Chirurgen verwendete Anästhesie kann je nach Alter und Gesundheitszustand des Patienten variieren. Für Kinder ist eine Vollnarkose geeignet. Erwachsene können zwischen einer Vollnarkose oder Lokalanästhesie mit kontrollierter Sedierung wählen. Ihr Arzt kann die Operation im Krankenhaus oder aber auch in einem chirurgischen Zentrum durchführen. Ein Krankenhausaufenthalt ist im Normalfall nicht notwendig.

Ihre Augenmuskeln sind an Ihrer Sklera (Augenwand) befestigt. Diese Muskeln sind von einem dünnen und transparenten Gewebe bedeckt, welches Bindehaut genannt wird. Ihr Chirurg hält Ihre Augenlider mit einem Lidspekulum offen und macht einen Einschnitt durch Ihre Bindehaut, um Ihre Augenmuskeln zu erreichen.

Nachdem Ihr Chirurg die notwendigen Korrekturen an Ihren Augenmuskeln vorgenommen hat, näht er diese wieder zurück an Ihre Augenwand. Bei einem standardmäßigen Eingriff ist der Nahtknoten dauerhaft. Dies bedeutet, dass Ihr Arzt nach der Operation keine Anpassungen mehr vornehmen kann. Jedoch gibt es, wie bereits erwähnt, auch die andere Variante, bei der Veränderungen nach der Operation weiterhin möglich bleiben. Für welche Variante ein Patient am besten geeignet ist, muss vom Arzt vorher ganz genau beurteilt werden.

Nach Dem Eingriff

Nach der Operation sind Rötungen in den weißen Bereichen Ihrer Augen normal. Es kann mehrere Wochen, manchmal auch Monate dauern, bis diese Rötungen wieder komplett verschwunden sind. Beim Bewegen Ihrer Augen können Sie leichte Schmerzen verspüren. Dies ist jedoch vorübergehend und klingen in wenigen Tagen nach der Operation ab. Ihr Chirurg versorgt Ihre Augen mit antibiotischen Tropfen bzw. Salben. Abhängig von Ihrer Situation kann Ihr Arzt Ihnen für die kommenden Tage auch noch weitere Medikamente verschreiben.

Darüber hinaus kann es zu Blutergüssen und Schwellungen kommen. Manchmal können Sie sogar rosa bzw. rötliche Reizungen in Ihren Augen erkennen. Auch diese sind vorübergehende Beschwerden, die innerhalb weniger Tage nach dem Eingriff wieder vollständig verschwinden.

Endergebnis

Für erwachsene Patienten ist der allerwichtigste Vorteil dieser Operation die Wiederherstellung des Sehvermögens und das Verschwinden des Doppelsehens. Augen werden neu ausgerichtet und Sehprobleme somit verbessert. Ihr Kind gewinnt eine ausgezeichnete Sicht- und Tiefenwahrnehmung, sollte das Problem rechtzeitig erkannt und richtig behandelt werden. Auf lange Sicht wird auch das Risiko eines Sehverlusts eliminiert. Die Welt kann wieder so wahrgenommen werden, wie Sie tatsächlich ist.